Wir geben Tipps. Umsonst! Und komplett durcheinander!


The Blues is from Mississippi.

... der in Mississippi blieb.
Fred McDowell

Der Blues kommt aus dem Bundesstaat Mississippi, ein bis heute armer, unterentwickelter Bundesstaat. Dort wurde die schönste aller Musiken geboren. Leute wie Peg Leg Howell oder Charlie Patton gehörten zur ersten Generation von Bluesikanten, die den 8-, 12- oder irgendwasTakter erfanden. Sie lebten zumeist auf den großen Baumwollplantagen, wie der Dockery Farm oder Stovall's Plantation.

 

Die MusikerInnen der zweiten Generation verließen dann das Delta, zogen in den Norden. Dorthin, wo es Jobs gab. In den 1930ern entvölkerte sich der Bundesstaat ziemlich und Städte wie Detroit, Memphis (nicht gar so weit weg) und vor allem Chicago wuchsen enorm. Die MusikantInnen dieser Generation waren: BB KIng, Muddy Waters, John Lee Hooker oder Otis Spann.

 

 

Hier eine kleine und unvollständige Liste von Mississippiborn Damen (eher keine) und Herren des Blues:

Big Bill Broonzy

Tommy Johnson

Robert Johnson

Bukka White

Pinetop Perkins

Honeyboy Edwards

Houston Stackhouse

Willie Brown

Son House

Big Joe Williamson

Mississippi John Hurt

Otis Spann

Muddy Waters

Charlie Musselwhite

Tommy McClennan

JD Short

Leadbelly

Henry Sims

Joe McCoy

Charlie McCoy

John Lee Hooker

Sonny Boy WIlliamson I + II

RL Burnside

Junior Kimbrough

Bo Carter

Robert Lockwood Jr.

Snooky Prior

Otis Rush

Jimmy Johnson

Skip James

Earl Hooker

Henry Townsend

...... more here: LIST OF MISSISSIPPI MUSICIANS


Wer manchmal bei Geburtstagen auftreten muss/darf/kann und nicht weiß, wie man den Jubilar zum 25./50./75./200. Geburtstag beglücken soll, sei nachfolgendes Lied empfohlen. Der Interpret ist im Übrigen der L'il Ed, der ja bekanntermaßen der Neffe des unglaublichen und großartigen JB Hutto ist!


Wenn wer demnächst nach Chicago fährt, ein Ausstellungstipp:

die Geschichte des elektrischen Blues!


OTIS RUSH (1934-2018)

Them pains, when blues pains grab you, you'll sing the blues right.
Read more at: https://www.brainyquote.com/quotes/otis_rush_329540

Them pains, when Blues pains grabs you, you'll sing the Blues right.

 

Der wunderbare Sänger und Gitarrist hinterlässt einige der besten Chicagobluesaufnahmen aller Zeiten. Man höre nur seine scharfen Tracks auf dem Cobralabel 1956-60 an! Double Trouble, Groaning the Blues, Jump Sister Bessie, .... Herr Clapton bediente sich ja öfters bei ihm (Double Trouble auf Live at Budokan 1978 ist wirklich äußerst leinwand).

 

Aber auch später nahm der Linkshänder (bevorzugte Gitarre: Epiphone Riviera) sehr schöne Platten auf. Nicht viele, einige live, aber manche davon bemerkenswert.

 

Des Bluesbueros Lieblingsscheiben sind:

Right Place, Wrong Time - 1971 aufgenommen, schlummerten die Aufnahmen 5 Jahre im Regal, bis diese klasse Platte auf Bullfrog erschien!

Cold Day in Hell - 1975, großes Comeback auf Delmark.

So Many Roads:  Live in Japan- 1975, heißes Set mit super Band (Jimmy Johnson an der Gitarre).

 

 

Them pains, when blues pains grab you, you'll sing the blues right.
Read more at: https://www.brainyquote.com/quotes/otis_rush_329540

Vor 65 Jahren als unabhängiges Jazzlabel in Chicago gegründet, war Delmark in den 1960er und frühen 1970er Jahren eines der führenden Recordlabels des Blues. Gründer war Hobbymusikant und Jazzfan Bob Koester. Und er hatte auch ein Händchen für den Blues. Zu seinen Künstlern gehörten unter anderm JB Hutto (Hawk Squat 1968 - eine fantastische Platte), Magic Sam (West Side Soul 1967, Black Magic 1968), Junior Wells (Hoodoo Man Blues 1965) oder der damals noch sehr junge Luther Allison (Love Me Mama 1969). Sehr erwähnenswert die Wahnsinnsscheibe von Jimmy Dawkins namens  Fast Fingers (1969).  Und natürlich gibt es noch eine wahre Großplatte des Blues. Nämlich Jimmy Whacks (1978) von Jimmy Johnson! Der ist überigens gerade eben 90 Jahre jung geworden.

 

Wen Bob Koester nicht ins Programm nahm: Hound Dog Taylor. Der junge Delmark-Mitarbeiter Bruce Iglauer nahm 1970 mit einigen Dollars quasi drei LPs in einer Session mit Taylor und dessen Houserockers auf und brachte diese unter einem neuen Label heraus. Alligator Records war geboren...


Beginnen wir mit dem Anfang. Big Bill Broonzy nahm zwischen 1927 und 1957 mehrere hunderte Songs auf - für Okeh, Columbia oder Bluebird bespielsweise. Er prägte den gehobenen Countryblues wie kaum ein anderer und Broonzy war einer der "Erfinder" des Big City Blues.

 

In den 1950ern berichtete er in einigen Sitzungen dem Autor Bruynqghe über sein Leben. Dieser zeichnete die Gespräche auf und schrieb dann die vermeintlich wahre Geschichte von William Broonzy auf. Und natürlich, so wie es sich gehört, wird ordentlich geflunkert und die Wahrheit(en) situationselastisch ausgelegt. Neben vielen Stories über Wegbegleiter, erfährt man auch, warum Tampa Red so gerne mit Big Bill fischen ging. Allerdings wurde nie was gefangen. Dies hatte auf das Eheleben Tampa Reds seine Auswirkungen!

 

Nichts destotrotz ein wirklich wunderbares Buch, das einen einzigartigen Einblick in die frühe Zeit des Blues gibt.

“As for me, I would love to pick up a book and read a story about Big Bill Broonzy. I wouldn’t care if it’s just a story about how I live or how drunk I was the last time that they saw Big Bill. I would enjoy reading it because it could be true.”

 

Echter Wermutstropfen: das Buch ist zur Zeit "out of print", dies ist betrüblich. Aber man kann das Buch über diverse Plattformen zu vernünftigen Preisen kaufen... Oder in der Bluesbuerobibliothek gegen eine geringe Gebühr entleihen. Allerdings ist diese wegen Umbauarbeiten zur Zeit geschlossen.

 

LP TIPPS des BLUESBUEROs:

The Young Big Bill Broonzy 1928-36 (Yazoo)

Big Bill Broonzy Memorial (1950er Aufnahmen, Mercury)

Big Bill Live Copenhagen 1956

Big Bill Blues (Columbia, 1930er)


Happy Birthday Mr. Johnson!

 

Es gibt ja eine Reihe von Johnsons in der Blueshistorie (Johnson ist bei den Amis sowas wie Hofer oder Huber bei uns).: Robert, Pete,  Tommy, Louise, Big Jack.....

 

Und natürlich den Jimmy Johnson. Der es nie ganz nach oben geschafft hat, obwohl er über drei wahrlich große Talente verfügt: er ist ein super Gitarrist, er ist ein super Songwriter und er ist ein hervorragender Sänger. Aber so richtig in die A-Liga a la BB King oder Muddy schaffte es der am 25. November 1928 in Holly Springs (Mississippi - wo sonst) geborene Jimmy nie.

 

Sein Bruder Syl Johnson wurde immerhin ein B-Soulsinger, sein Halbbruder Mack Thompson war Bassist im Trio des Magic Sam.

 

Jimmy Johnson war jahrelang als Begleitmusiker bei Jimmy Dawkins oder Otis Rush tätig, ehe er bei Delmark seine Debutplatte Jimmy Whacks einspielte - ein Genreklassiker des modernen South Side Blues! Eine zweite Scheibe bei Delmark folgte, einige Tourneen brachten ihn bis Japan und natürlich desöfteren auch nach Europa. Am 2. Dezember 1988 dann der Karriereknick: bei einem schlimmen Autounfall verstarben zwei seiner Bandkollegen und Jimmy zog sich aus dem Business zurück. Er nahm zwar noch einige Platten auf, aber den regulären Chitlin' Circuit nahm er nicht mehr auf.

MEHR über den großartigen Jimmy Johnson HIER!


Was denn Blues ist:

Generell wird sehr vielen MusikerInnen unterstellt, dass sie Blues spielen würden. Still Got the blues - Gary Moore. Da war noch nie der Blues drinnen. Und solche Typen wie Popa Chubby sind am Blues genauso nahe dran, wie Helene Fischer am Free Jazz.

Was noch kein Blues ist: diverse Festivals nennen sich Bluesfestival und bieten dann genau keine einzige Band, die auch nur in die Nähe der herrlichsten aller Musiken kommen würde. Das wäre, wie wenn die FPÖ am ersten Mai in's beschissene Bierzelt lädt und dann George Soros referieren würde. Eigentlich aber eine klasse Vorstellung. Letzteres.

 

Was ist der Blues? Gibt es ein Reinheitsgebot wie beim Bier? Streitfragen. Aber: nein. Es gibt den Jump Blues, den Countryblues, Ragtime; im Folk, in der "klassischen" Countrymusic steckt viel Blues drinnen (man höre Johnny Cash zu)....

Woran kann man dann den Blues erkennen? Da gibt es Indizien. Zum Beispiel die Akkordprogression der I., IV. und V. Stufe (zum Beispiel Blues in G: G C GG CC GG D C GG). Dann die Taktlängen 8, 12 (siehe Beispiel), manchmal 16. Die Instrumente: Guitars, Drums, Piano, Bass, Harp. Manchmal auch Gebläse. Selten Akordeon (Ausnahme: Zydeco). Ganz selten die Fiddel (eher bei den alten Aufnahmen zu finden, siehe Missippi Sheiks). Nie: Kirchenorgel, Triangel oder Synthesizer!

Und letztendlich hat der Blues auch keine Hautfarbe (die sowieso wurscht ist): Blues ist universell, er gehört uns allen.

 

Das sind Bluessongs: Hoochie Coochie Man, Sweet Home Chicago, Sugar Sweet, Long Distance Call, Mississippi River, Doube Trouble, Ants in My Pants, Rollin Stone, Pony Blues, Death Letter Blues, Key To the Highway, Worried Life Blues, 5 Long Years, my Babe, I Can't Quit You, Payin the Costs to be the Boss........

Das ist eher sicher kein Blues: Atemlos, Country Roads, Purple Rain, Like A Virgin.

Mit Blues im Herzen geschrieben, aber doch keiner im klassischen Sinn: Beethovens 5. Symphonie, Not Dark Yet oder Country Boy.


Beste Bluesscheibe seit ca. 28 Jahren. Punktum. KIM WILSON: BLUES & BOOGIE Vol 1

Mit einer wahnsinnigen Band und in Mono knallt Herr Wilson 16 extrem leinwande Songs auf die Ohren. Liebe Rolling Stones: hört euch seine Version von BLUE and LONESOME an, da kommt ihr mit eurer rausgenudelten Version nicht einmal im Ansatz ran. Danke, das Bluesbuero. Unbedingt auf Vinyl kaufen. Das Bluesbuero empfiehlt sowieso die Anschaffung eines Plattenspielers und dazugehörige LPs in ausreichender Anzahl.

Das ist Blues:

Sam Chatmon war einer der Musikanten der Mississippi Sheiks, die von 1930 bis 35 wirkliche Stars der damaligen Szene waren. Ihren größten Hit "Sitting on the Top of the World" hat Howlin Wolf in den 1950ern zu einem Klassiker des Chicago Blues gemacht. Zum Chatmonclan gehören auch Bo Carter und Memphis Slim (alles Cousins und echte "Chatmons"). Hier spielt der unverwüstliche Sam Chatmon (1898-1982) einen Bluesklassiker aus Chicago: er macht es also umgekehrt wie Howlin Wolf. Er borgt sich "That's Alright" vom Jimmie Rogers aus und bringt ihn heim ins Mississippidelta!


 

Wenn es um die besten Bluesplatten aller Zeiten geht, brechen intensive, ja schon beinahe religiöse, fundamentalistische Diskussionen aus.

 

In einem langwierigen Diskussionsprozess hat das Bluesbuero einstimmig (eine Enthaltung, der Hausmeister war gerade Bier nachbestellen) allerdings diese drei Platten in die Top Ten der Blueshistory gewählt.

 

1965 bat der Bluesforscher Samuel Charters (siehe unten: the Country Blues) mehrere Bands und Künstler in ein Chicagoer Studio, wo in bester 4-Spur Technik 130 Minuten Musik aufgenommen wurde. Hernach veröffentlichte das bekannte Label Vanguard drei Mörder-LPs.

 

Die Blueser sind allesamt keine unbekannten Leute - sie haben ihrerseits Bluesgeschichte geschrieben: Otis Rush, Otis Spann, JB Hutto, .....

 

Der Sound ist einfach weltklasse, so auch die Songauswahl. Hervorzuheben unter allen Sets sind jene von Homesick James und James Cotton.

 

Zu haben gibt es die drei Platten auf Vinyl (zb. bei einem bekannten Versandhändler, der soooo gerne wenig Steuern zahlt) - im Zweifelsfalle kann man auch zur CD Box greifen!

A MUST BUY!

 

 


The Blues comes to Austria -

ROOTS RECORDS

 

Anfang der 1970er gaben Evelyn und Johnny Parth eine Vielzahl an Platten heraus, die eigentlich (mit wenigen Ausnahmen) Prewar Bluesplatten, die man damals kaum wo bekam bzw. kannte, waren. Sitz des kurzlebigen Labels war in Wien. Name des Labels: ROOTS RECORDS. Später gründete Johnny Parth weitere Labels, um die herrlichen Schellacküberspielungen auf LP herauszubringen (RST, Document,...). Später natürlich auch auf CD (kleine Scheibe aus Plastik, heutzutage eher nicht mehr bekannt)!

Wikipedia schreibt: "Nachdem er (Johnny Parth) eines seiner Ziele erreicht hatte, nämlich jede überhaupt greifbare Blues-Aufnahme von der Jahrhundertwende 1800/1900 bis zur Vor-Weltkrieg-II-Zeit auf seinen Document Records im CD-Format zu veröffentlichen, hat er das Label im Jahre 2000 an Gary Atkinson verkauft und sich seither aufs Produzieren beschränkt."

 

Highlights die Komplettaufnahme von Ishman Bracey, die 1941-42er Sessions mit Son House (der 1969 auch eine Platte für das Label einspielte) und die Country Blues Obscurities. Da findet man Aufnahmen von Leuten, die vielleicht ein- oder zweimal im Studio waren und die wirklich niemand mehr kennt. Wer weiß schon Bescheid über Big Boy Cleveland, Alfred Lewis oder Whistlin' Rufus (mit seinem am 11. Dezember 1933 aufgenommenen Nichthit "Who's Gonna Do Your Sweet Jelly Roll")?

 

Weitere Empfehlungen:

Rare Paramount Country Blues (RST): Complete Recordings von Sweet Papa Stovepipe, Smoky Harrison und Charlie "Dad" Nelson.

Ragtime Blues Guitar 1928-30 (RST): alle Aufnahmen der vergessenen Meister wie William Moore, Bayless Rose und Willie Walker.

Blind Willie McTell: King of the Georgia Blues Singers (Roots): Aufnahmen in guter Überspielqualität der Jahre 1929 bis 1935.

Peg Leg Howell: Complete Recordings (2 LPs, Matchbox Bluesmaster Series): einer der ältesten Blueser und Songsters überhaupt und ein sehr witziger Entertainer, der alte Holzfuß aus Georgia.

 

Sehr schön: viele der Platten  sind noch erhältlich bei dem Luxemburger Internetriesen und auch gebraucht auf discogs.com zb.!


Muddy Waters, indisputable King of the Blues.

 

The King of Blues ist natürlich der Muddy Waters gewesen - 1913 oder 15 geboren (aber immer am 4. April!), erfand er quasi den Chicagoblues. Gemeinsam mit ein paar anderen wie Little Walter oder Jimmie Rogers. Bis zu seinem Tod 1983 war Muddy Waters so die Lichtgestalt des Blues.


We admired Muddy Waters and his music very much, and we played a lot of his songs in imitation of him. He encouraged us a lot before we met him –– when we just listened to his records, we were encouraged. Mick Jagger

 

Hier ein paar Plattentipps.... Die muss man einfach haben! Eine kleine, unvollständige Liste.

 

 

Die ersten Aufnahmen von Muddy Waters entstanden als Field Recordings der Lomax Familie. Noch akustisch und mit einem Geiger bringt Muddy mehrere Versionen von "I Be Troubled", dem Vorläufer von "I Can't Be Satisfied".

 

Gut aufgenommen und ein erstes Zeichen des großen Muddy. Recorded 1942 auf der Stoval Plantation in Mississippi.

 

 

 

Alle Singles, die Muddy beim Aristocrat/Chess Label aufgenommen hat. Da kann man nix falsch machen - mit Songs wie "I Can't Be Satisfied", "I'm Ready", "Hoochie Coochie Man" undundund. Auch unbekanntere Kleinode wie "Sail On" oder "Sugar Sweet" findet man da...

 

Leonard Chess dachte sich Ende der 60er, dass der Blues neue Absatzmärkte brauche. Und was lag näher, als vom aufkommenden Hippiezeitalter zu profitieren? Somit nahm Muddy drei LPs auf, die damals wohl viele verschreckten, aber retrospektiv wirklich Spass machen. "Fathers and Sons", "After the Rain" (herrliches Cover mit Frosch) und "Electric Mud", eine wahrlich radikale Scheibe mit verzerrten Fuzzgitarren und Heavy Metal Einschlag. Besonders leinwand "Tom Cat" und "Let's Spend the night together"!

 

 

Nachdem Muddy das untergegangene Schiff "Chess" verlassen hatte, brachte ihn Johnny Winter zum Blue Sky Label, eine Tochter von CBS (heute: SONY). Und da nahm er mit seiner letzten großen Band (Willie Smith, drums - Charles Calmes,bass - Bob Margolin, guitars - Pinetop Perkins piano - Luther Johnson, guitars und Jerry Portnoy, harp) vier Platten zwischen 1975 und 1980 auf. "I am Ready", "Hard Again", "King Bee" und "Live" heißen sie  Hard Again ist vielleicht noch einmal einen Zacken schärfer...


Der Blues kommt vom Land. Von den Hügeln Georgias, den Wäldern Alabamas. Aber hauptsächlich und eigentlich zu 92% aus dem Bundesstaat Mississippi. Der ist landschaftlich eine Katstrophe und nur fad. Doch er brachte die größten MusikantInnen der besten Musik aller Zeiten hervor: Robert Johnson, Charley Patton, Muddy Waters, Little Walter, Bukka White, Big Joe WIllams, Pinetop Perkins, Howlin Wolf, James Cotton, Otis Spann, .......... und noch ca. 1345 andere Leute!

Darum: THE COUNTRY BLUES von Sam Charters lesen, das Buch ist ein Hit. Schon ein paar Jährchen alt, aber der Blues kommt nach wie vor aus Missisippi, da hat sich nix geändert!


Es gibt ja viele Autobiographien am Markt - manche sind echt lesenswert (wie die des Herrn Richards oder auch die vom Boss), manche sind lau (die von Ray Charles beispielsweise) und manche sind richtig gelungen (wie diese da).

 

BB King erzählt (unbedingt auf Englisch lesen) von seinen jungen Jahren in Mississippi genauso wie von den Kollegen, die ihn in seiner 60 jährigen Karriere begleitet haben. Und immer mit größtem Respekt und sehr viel Gefühl. King war sehr früh schon auf sich gestellt, als er in kurzer Zeit Mutter und Oma verlor. Mit 10,11 Jahren entdeckte er die Gitarre und das Singen. Seine ersten regionalen Erfolge hatte er ja in einem Gospelchor.

 

Natürlich wird auch verraten, wie Lucille zu ihrem Namen kam und wie der King of Blues beim Versuch, diese zu retten, beinahe draufgegangen wäre.

 

Ein schönes Buch. Liest sich fantastisch. Die Sprache ist einfach, aber warm und wenig abschweifend.


EARL HOOKER. 1930-70

 

Das bluesbuero kann stolz von sich behaupten, sämtliche Arhoolie-Platten (Vinyl) von Earl Hooker zu besitzen. Ist auch keine große Kunst, denn der sogenannte Katalog ist überschaubar: genau 3 LPs sind es geworden. Das ist dem frühen Toddes Ausnahmegitarristen 1970 geschuldet.

 

Hooker war vermutlich nicht nur der erste Chicagoblueser, der ein Wahwah Pedal trat (eigentlich ein furchtbares Instrument, man kennt's ja von Hendrix James), er war auch ziemlich sicher der erste, der eine Doubleneck Gibson mit sich herumschleppte (kennt man ja vom Page James).

 

Hookers Aufnahmen sind überwiegend Instrumentals, obwohl er ein wirklich mehr als passabler Sänger war.  Seinen Signaturelick gibt es da zu hören: https://www.youtube.com/watch?v=x_RorqxpotU

 

Earl Hooker war körperlich zeit seines Lebens angeschlagen und auf der Europatournee des American Folk and Blues Festivals (Lippmann und Rau!) 1969 quetschte er wahrlich seine letzten Töne aus den Saiten. Earl Hooker hatte einen Slidesound, den nur ganz wenige zusammenbrachten und -bringen: sehr sweet, mit viel Sustain. Da gab es davor nur Tampa Red oder Robert Nighthawk. Und nach ihm Dereck Trucks. Der bringt das auch ziemlich gut hin (spielt er doch auch eine Gibson SG, nur mit einem Hals halt).


YAZOO Records. Die bringen den alten Blues auf die Plattenteller. Sehr schöne Aufnahmen von John Hurt (1928) oder Robert Wilkins (The real Rolling Stone!) oder Charley Patton... Jetzt gibt es die herrlichen Platten auch wieder auf Vinyl, das macht noch mehr Spaß als im Internetz alte zerkratzte Exemplare zu erstehen. Auch die klassen Covers des Robert Crumb (Fritz the Cat) kommen da noch viel schöner zur Geltung.

 

Tipp des Bluesbueros: Bottleneck Guitar Trendsetters of the 30ies - Kokomo Arnold und Casey Weldon. Auf echter Platte!

 


Das ist Peg.

Peg Leg Howell.

Nachdem ihm ein Familienmitglied in den Haxen geschossen hatte musste er danach auf einem Holzbein weiterhumpeln.

1888 in Georgia geboren, ist er ein ganz früher Hitmaker des Blues. Seinen Aussagen nach war er eigentlich der Erfinder des ganzen. Peg Leg behauptete, schon vor der Jahrhundertwende on the Road gewesen zu sein. Auch Alkoholschmuggler steht in seiner Vita - das dürfte auch stimmen, er kam deshalb in den Häfn. Was richtig leinwand ist: seine Aufnahmen in den 1920ern für Columbia.  Meist in Combos mit Geige und anderen nervtötenden Instrumenten. Die Aufnahmen aus den 1960ern im Zuge des Bluesrevival sind nicht rasend prickelnd. Die kompletten Aufnahmen von Herrn Peg Leg gibt es auf Vinyl bei Documents Records (über dieses Label kommt noch mehr).

                                                                      Tipp: HOBOO BLUES https://www.youtube.com/watch?v=8wFrb2s1fvg


Sad Story.

So sieht jenes Haus heute aus, in dem the one and only Muddy Waters lange Zeit bis zu seinem Tod 1983 gelebt hat.

Es verfällt und wird demnächst möglicherweise einem Immobilienprojekt zum Opfer fallen. Schnöselhäuser statt National Heritage Center.

Hierzulande reicht es, wenn der Wolferl Amade irgendwo 1763 ein Lüftchen verdrückte, um ein Gedenktaferl anzubringen. Der Chicagoer Verwaltung ist es leider ziemlich furzegal, dass hier der true Master of the Blues lebte. Nebst anderen: auch Otis Spann verbrachte dort einiges an Lebenszeit. 


Das ist Blues - die Big Mama Thornton, eine große Frau, eine klasse Harpspielerin und dem Booze nicht abgeneigt. Weiters der zu Unrecht wenigen Fans bekannte George "Harmonica" Smith, der auch ein Zeiterl in der Muddy Waters Band spielte (es gibt leider kaum Aufnahmen mit ihm, er war Ende der 1960er und Anfang 70er immer wieder mal dabei). Weiters Big Joe Turner (der echte!) und natürlich the Godfather of Blues: Muddy Waters. Sehr schöne 84 Minuten, da wäre eine fesche HD Version was noch fescheres. Hat die wer zu Hause? Bitte ans Bluesbuero senden (wir nehmen aber auch Super 8 Versionen an, am besten mit Projektor, denn der unsrige ist naja.). Aufgenommen im Oktober 1971.



KLASSIKER.

MUST HAVE!

BLUES FROM THE GUTTER - Champion Jack Dupree

Das ist eine richtig gute Scheibe aus dem Jahre 1958 aus dem Hause ATLANTIC. Die haben ja auch die ganzen schönen Aufnahmen mit Brother Ray gemacht, bevor der ein bisschen ins Kitschfach abgedriftet ist und zu ABC wechselte. Das Bluesbuero meint übrigens, dass nur BB King leinwande Scheiben in der ABC Zeit zusammenbrachte (vor allem Blues on the Top of Blues!!!). Produziert hat diese einzigartige Aufnahme des Pianisten und Sängers Jack Dupree der höchst umtriebige JERRY WEXLER - der hat übrigens auch die schöne Brother Ray Platte True to Life (I Can See Clearly Now) und dem Dylan sein Slow Train Coming (mit dem jungen Knopfler Buben) gemacht und überwacht.

Wir haben im Bluesbuero eine schöne Ausgabe von Atlantic aus den 1970ern.

Perfekte 10 Tracks sind auf der Langrille verewigt, herauszustellen sind:

Strollin

Junker's Blues

Evil Woman

Nasty Boogie

 

Champion Jack Dupree wurde am 3. oder 4. Juli 1908 oder 1909 geboren und stammte aus New Orleans.

Zum Aufnehmen begann er in den 1940ern - ab den 1960ern lebte er in Europa und war da gern gesehener Gast bei vielen Festivals.

 

"Mama, move your false teeth, papa wanna scratch your gums."

 


Professor Longhair konnte von sich behaupten, auf der Queen Mary gespielt zu haben. Und zwar auf EInladung des relativ bekannten britischen Musikers Paul Mc Cartney. Der war nicht nur Bassist in einer Liverpooler Popband, sondern auch großer Fan des Herrn Byrd.

 

Der 1918 geborene Longhair hinterließ nicht nur herrliche Songs, sondern erfand auch gleich noch den New Orleans Groove, den Leute wie Fats Domino oder Dr. John perfektionierten. WIr finden eigentlich alle seine Platten groß - besonders klasse seine letzte, für Alligator aufgenommene und von Dr. John produzierte "Crawfish Fiesta". Leider war es dann 1980 mit Mr. Tipitina vorbei.... Forever. Auch sehr schön die Aufnahmen für das Atlantic Records Label  denn die hatten eigentlich so ziemlich den besten Sound in den späten 1940ern bzw. frühen 1950ern. Leider gibt es vom Prof nicht viele Bilddokumente. Er war zudem selten Gast in Europa, was wir sehr schade finden. Denn das Bluesbuero liebt den Professor Longhair!

 

Plattentipps des Bluesbueros:

- Live on the Queen Mary (1978, aufgenommen 1975, und zwar am 24. März)

- Rock'n'Roll Gumbo (1974)

- Crawfish Fiesta (1980)