Eine neue Unterseite ist geboren (um Ordnung zu schaffen). Hier wird es unverbindliche Plattentipps des Bluesbueros geben.

Und eines gleich mal vorweg: es gibt nicht DIE beste Bluesplatte. Daher ist auch auf dieser Seite die Reihenfolge reiner Zufall.

Manchmal möchte man lieber "Live at The Regal", ein anderes Mal "Alabama Blues" von JB Lenoir. Oder gar Hooker'n'Heat.... Wir stellen hier einfach Platten vor, die uns taugen. Aus verschiedenen Gründen. Die einzige Einschränkung des Bluesbueros: es geht hier um PLATTEN, also die schwarzen Teile, vornehmlich mit 33 Umdrehungen pro Minute abgespielt werden.


Gravel Road

Magic Slim and the Teardrops 1990

 

Der Magic Slim war ca. 204cm groß und kein Leichtgewicht. Musikalisch ging es bei ihm (2013 hat er irdischen Boden verlassen) in seiner gesamten Karriere um den puren, echten Chicagoblues. Da wird nicht herumgesoult (bis auf einen Versuch, siehe unten) oder gar Schreckliches wie Bluesrock (was ist das eigentlich) produziert. Nope! Mit John Primer (rechts im Bild) an der Gitarre, Nick Holt (zweiter von links) am Bass (und Bruder von Herrn Magic, eigentlich Morris Holt) und Michael Scott am Schlagwerk hatte Slim best eingespielte Bluesband an seiner Seite. In den 1990ern gaben die Herren ein fulminantes Konzert in der alten Linzer AK. Timo Brunnbauer war damals in der Juke Joint Blues Band tätig und durfte mit dieser Band den Abend eröffnen. Magic Slim spielte gerne eine Fender Jazzmaster und den dazugehörigen Fender Twin Amp. DIeser Monsterverstärker wirkte neben Slim wie ein Kofferradio. A real big man. Noch was: John Primer ist ja jetzt seit Jahren solo unterwegs und selber ein fantastischer Gitarrist und Sänger (er war übrigens in der letzten Band vom Muddy. Gravelroad ist eine super Scheibe mit ein, zwei schwächeren Songs (zB in form einer Bluesvariante von Mustang Sally). Aber der erste Song auf Seite 2 ist alsbaldest vergessen, wenn sich die Band an Prisoner of Love abarbeitet. Auch dem herrlichen John Primer wird relativ viel Raum zur Entfaltung gegeben, er hat ja dann einige Jahre später seine eigene Bluesband gegründet und den Magic Slim verlassen.


BLUES BLUES BLUES

Jimmy Rogers Allstars 1998/reprint 2019

 

Wenn es quasi eine Einsteigerplatte in den Chicagoblues gibt, dann ist die vorliegende dreiseitige LP des Herrn Rogers eine absolut geeignete. Jimmy Rogers (1924 bis 1997) war in Muddys erster elektrischen Band Anfang der 1950er und hatte in den darauffolgenden Jahren auch ein paar eigene Hits (Ludella, Rock This House Tonight, That's Alright). Aber zu den ganz großen Stars der Bluesszene gehörte er nie. Jimmy Rogers nahm in späteren Jahren einige sehr schöne LPs auf (Tipp: Bluebird), die aber auch nicht vollends einschlugen.

Diese Platte wurde somit sein Vermächtnis: nur wenige Monate nach den Sessions verstarb Rogers doch unerwartet; ein großes Comeback a la John Lee Hooker ging sich leider nicht mehr aus.

 

Es gibt ja einige Platten mit dem Thema "Blueslegende + weiße Jungens" (ok die BB King in London, passabel Fleetwood Mac in Chicago, richtig schön daneben Muddy in London).  Was BLUES BLUES BLUES ausmacht ist nicht unbedingt die Liste der Gäste, sondern viel mehr der ausgezeichnete Sound und die fantastische Rhythmusgruppe, da kommt alles aus einem Guss. Am Piano werkt Johnnie Johnson (Chuck Berrys Pianist unter anderm) und am Schlagwerk der göttliche Ted Harvey (wir sagen nur: the Houserockers vom Hound Dog Taylor). An den Harps ist Kim Wilson oder Carey Bell zu hören, oh my dear!

 

Was die Gästeschar abliefert ist teilweise aber auch nicht von schlechten Eltern, wenn auch nicht jeder Song ein Meisterwerk geworden ist. Sehr stark: Everyday I have the Blues mit dem herrlichen Lowell Fulson, Trouble No More mit den Herrn Jagger und Richards (die gleich drei Mal zum Einsatz kommen) oder That's Alright mit dem Herrn Clapton am Gesang und der Fender. Manches passt nicht so toll (Boom Boom mit Robert Plant) oder das zu Tode genudelte Sweet Home Chicago... Aber mein Gott, wir sagen trotzdem: They don't produce them records anymore! Herrliche Scheibe!


Tigerman

Kin Wilson 1993

 

Mundharmonikabeauftragter des Bluesbueros, Jörg B., urteilt darüber so:

Frühes Soloalbum von Kim Wilson, dem vielleicht besten weißen Harpspieler (jaja, da gibt's noch Paul Butterfield und Memphis Charlie Musselwhite). Diesemal ohne seine Thunderbirds zeigt er so richtig, was er drauf hat. Hervorragend gespielt, eine Band in Bestform. Recht unterschiedliche Songs, viele Bluesstile werden angerissen, ohne aber beliebig zu werden. Tipp: der Muddy Klassiker She moves me und das herrliche Don't touch me baby. Über das Cover sollte seperat diskutiert werden, aber so waren sie halt die späten 1980er und frühen 1990er Jahre.


CHICAGO BLUES SESSION

Willie Mabon (1982)

 

Interessant: die Promoter Lippmann und Rau brachten ab 1962 den Blues nach Europa (American Folk Blues Festival). Zu jeder Tour (bis 1985) gibt es auch eine Langrille dazu. Nämlich sind all diese tollen Performances (von Muddy, Wolf, Sonny Boy bis Hounddog Taylor) auf dem Label L+R erschienen. Jeder Bluesfan sollte die Platte von 1967 zuhause haben, die ist richtig geil. Nebst den Konzertmitschnitten brachten die zwei deutschen Bluesfreunde viele Studiosessions heraus, die in Europa oder den USA entstanden sind. Vorliegende Scheibe wurde am 4. Juli 1979 aufgenommen und zeigt, dass es für ordentlichen Blues nicht viel braucht - ausser ordentliche Songs und ordentlich werkende Musiker. Willie Mabon war einer der wichtigsten Pianisten in der Windy City, wenn auch nicht rasend erfolgreich. Sein größter Hit war I don't know  in den 1950ern.Bei dieser 79er Session wird er unter anderem von Hubert Sumlin (ja, der Howlin Wolf Gitarrist) und Eddie Taylor an den 6saitern begleitet. Aron Burton am Bass und Casey Jones an den Drums (nein,nicht der legendäre Lokführer) runden die Sache ab. Entstanden ist eine ziemlich gechillte Scheibe mit einigen wirklich klassen Songs (It's a Shame, Moanin' Blues) und ordentlichem Sound.


Do that Guitar Rag, 1928 to 1935

Big Bill Broonzy, Yazoo 1976

 

Big Bill Broonzy (1903 bis 1958) war nicht nur ein Angeber (man lese seine witzige Autobiographie), sondern auch einer der besten Songwriter der Bluesgeschichte. Zudem hatte er eine der längst andauernden Aufnahmekarrieren eines Vorkriegsbluesers. Zuerst für OKeh (vorliegende Platte), später dann für Bluebird spannte sich seine Aufnahmetätigkeit (mit einigen Jahren Unterbrechung) doch von 1928 bis zu seinem Tod 1958. Nach eigenen Angaben nahm er mehr als 250 eigene Titel auf. Klassiker wie Key to the Highway, This Train, Glory Of Love oder das politische Black, Brown and White sind längst in die (Cover)Geschichte des Genres eingegangen. Big Bills Mitwirkung am berühmten Carnegie Hall Konzert From Spirituals to Swing des Herrn Lomax (quasi als Ersatz für Robert Johnson, der aus bekannten wie tragischen Gründen nicht nach New York kommen konnte) ist ein weiterer Meilenstein seiner Laufbahn gewesen.

Auf dieser Platte versammelte das beste Label zu Pre-War Aufnahmen, Yazoo, seine ersten Aufnahmen. Noch solo unterwegs (für Bluebird ja meist in kleinen Besetzungen zu hören) spielt sich Big Bill hier durch verschiedene Stile. Es gibt den Guitar Rag von 1930, das Hokum Meisterstück Big Bill Blues und den nachdenklichen Double Trouble Blues. Die Tonqualität ist ob des Alters der Aufnahmen wirklich vorzüglich und es macht einfach nur Freude, dem jungen Big Bill zuzuhören.


HANGIN' ON

Robert Lockwood jr. / Johnny Shines, Rounder Records 1981

 

Zwei Giganten des Blues aus der zweiten Reihe haben sich am 16. und 17. Juni 1980 getroffen und eine sehr schöne und unterhaltsame Platte aufgenommen. Robert Lockwood Jr. (1915 bis 2006) war ja beinahe 80 Jahre aktives Mitglied der Bluesmusikantengesellschaft. Robert war Wegbegleiter des nicht ganz unbekannten Robert Johnson (der, obwohl fast gleich alt quasi sein Stiefvater war), nach dessen Tod ging er wie viele seiner Wegbegleiter nach Chicago. Robert Lockwood wurde gern gebuchter Sessionmusiker, aber eine eigene fette Karriere wie Muddy Waters oder Howlin Wolf gelang ihm nicht.

Johnny Shines (1915 bis 1992) traf Robert bereits 1927! Allerdings war Shines jemand, der sich immer wieder an die wechselnden Stile des Blues anpassen konnte. Ähnlich eines Muddy durchlebte er die verschiedenen Phasen der schönsten Musik aller Musikwelten - nur mit geringem Erfolg. Nach einer längeren Durststrecke war es Johnny Shines wenigstens ab den 1970er Jahren möglich, regelmäßig als Elder Statesman of the Blues zu touren (bis nach Österreich verschlug es ihn glatt).

Die vorliegende Platte ist sauber und lebendig aufgenommen. Mit viel Spielfreude nehmen sich die beiden Songs wie Mean Mistreating Mama oder Early in the Morning vor. Begleitet von einer patenten Band spielen die zwei super(b)en Gitarristen auch akustische Versionen von klassen Songs. Empfehlung des Bluesbueros!


Live at Lupo's Heartbreak Hotel

Roomful Of Blues 1986

 

Die 1980er waren ja nicht gerade das Jahrzehnts des Blues, es gibt dermaßen viele grausliche Aufnahmen aus dieser Zeit, dass es zum Aus-der-Haut-fahren ist (wie sagt schon der große Keeferreefer Richards: The drums sounded like someone shitting on a tin roof). Aber es gibt natürlich auch die berühmten Ausnahmen von dieser eher ungoldenen Regel. Ein junger Curtis Salgado (diesmal nur Gesang, keine harp) hebt mit seinen Kollegen den Party Blues in neue Sphären. Entstanden ist die Scheibe 1986 in einem Kabuff im kleinesten Bundesstaat der USA, nämlich Rhode Island. Der Club wird mit dieser großartigen Band in einen Tanzsaal verwandelt. Und die Jungs drücken drauf, dass auch die Nachbarn in Massachusetts auch noch was davon gehabt haben werden! Ronnie Earl haut ein paar für ihn typische Jumpbluessoli raus, dass es nur so in den Ohren klingelt.Das Bluesbuero sagt ganz eindeutig: Super tighte Band mit bestens abgestimmten Bläsern! Kein Firlefanz und Schabernack wird da getrieben: Go for it!


THE LOST TAPES

Muddy Waters Live 1971, Blind Pig Records 5054

 

Diese fantastische Platte wurde seinerzeit nicht veröffentlicht, das Warum bleibt ein Mysterium. Stattdessen gab es zu jener Zeit eine offizielle Live-Chessplatte, die Muddy in Clubatmosphäre zeigte. War ok, aber nicht überragend (auch vom Sound her). Ganz anders diese Platte: an zwei Unis (Washington, Oregon) aufgenommen, bringt sie den King of The Blues in aller Pracht auf den Plattenteller. Die Band groovt fürchterlich klasse, Muddy singt bestechend und die Songauswahl ist zudem eine sehr schöne.

Bei der Band handelte es sich damals um eine Art "Übergangsband", die aus Muddys Wegbegleitern aus den 1960er Jahren und Musikern seiner wohl besten Truppe aus den 1970ern bestand: Pinetop Perkins am Piano (nicht lange zuvor war Muddys langjähriger Pianist Otis Spann überraschend jung verstorben), Willie Smith an den Drums und Calvin Jones am Bass: das sind die Protagonisten der unpackbaren 1970er Band. Weiters zu hören auf "The Lost Tapes": George "Harmonica" Smith an der Harp und die Gitarristen Sammy Lawhorn und Pee Wee Madison.

 

Gut, auf der Platte finden sich mit Hoochie Coochie Man und Mannish Boy zwei sehr bekannte Nummern. Zudem ist die Schlussnumer Mojo Working. Also auch nicht gerade eine unbekannte Nummer aus Muddys Katalog (im Übrigen von 1959 bis 1982 stets die letzte Nummer bei seinen Liveauftritten - so geht Kontinuität!). Aber die Songs werden packend dargeboten, da is nichts ausgeleiert einstudiertes dabei!

 

Aber die wahren Perlen sind Songs, die Muddy gerade in späteren Jahren nicht immer auf die Bühne brachte. So veredeln The Lost Tapes  Hitse wie Walking Through the Park, Trouble No More oder das unnachamlich zähe Crawling Kingsnake. Da zeigt sich wieder einmal, dass eigentlich nur Muddy (und seine Band!) diese Schwere des Chicagoblues drauf hatte (und das verhatschte Feeling).

 

Zwei wahre Höhepunkte: Just To Be With You mit diesem herrlichen Riff und Long Distance Call, ein Trademarkblues des King. Sehr schön bei letzterem Song die schneidende Telecaster, die Muddy da beslided.

 

Auf der CD Edition der LP finden sich noch ein, zwei weitere Tracks (so ein schönes King Bee) - aber mit der LP ist eigentlich alles gesagt.


LIVING CHICAGO BLUES

Volume 1 to 6 (1977/78)

 

Es gibt ja einige schöne Serien zur jeweiligen Bluesszene. Besonders herrlich natürlich die 1960er Serie Chicago!Blues!Today! (einen Text darüber gibt es unter "Versteh den Blues").

 

Aber auch diese von Bruce Iglauer produzierte Serie ist wahrlich gelungen. Zu hören sind die in den 197oer tonangebenden Musikanten. Auf 6 LPs kann man jeweils ca. 15 bis 20 Minuten einem Magic Slim, Carey Bell oder Jimmie Johnson zuhören. Einiges ist wirklich sehr klasse geworden (so die Sets von Luther  "Guitar" Johnson und Lonnie Brooks). Letzterer wurde dann eh eine ziemliche Größe im Bluesbusiness.

Soundtechnisch auch gelungen, alles live in den kleinen Studios Chicagos auf Band gespielt.

 


LONESOME ROAD BLUES

15 Years in the Mississippi Delta 1926-41, Yazoo L-1038

 

Wenn es um Prewarbluesaufnahmen in durchwegs gediegener Qualität geht, kommt man an Yazoo records und dessen Veröffentlichungen nicht vorbei. Das 1967 gegründete Label brachte bis 1989 eine Menge Country- und Folkblues heraus. Das Buesbuero wird noch weitere vorstellen, denn es gibt da noch jede Menge perlenhafte Releases.

 

Diese LP ist gewissermaßen ein Sampler und versammelt relativ unbekannte und seltene Aufnahmen von durchaus bekannten Namen. So spielt uns BIG JOE WILLIAMS den Little Leg Woman Blues aus dem Jahr 1935 vor. Big Joe beehrte in viel späteren Jahren auch Österreich (und dabei auch den Buesclub in Linz). Er war, wie man so hört, nicht unbedingt dieeeee einnehmensde Person, aber ein klasser Blueser wohl schon. Track 2 der LP bringt den Good Boy Blues des Arthur Pettis zu Gehör. Der hat ja überhaupt nur 6 Songs zwischen 1928 und 1930 veröffentlicht. Er kam, sah..... und ging! Ohne groß Spuren zu hinterlassen.

Einen whren Hit kann auf Seite 2 der Platte erleben: Skip James' I'm So Glad wurde ja über 35 Jahre nach der Erstveröffentlichung so richtig bekannt, als diesen drei käsegesichtie Herren aus Brexit Country einer breiten Öffentlichkeit bekannt machten. Die Herren waren von Cream, einer Band der British Bluesexplosion der Jahre 1966 bis 1969. Das Original von Skip James ist ein Hammer, so wie das ganze Frühwerk von James an sich: ein ganz eigenwilliger Blueser war der nämlich schon.

Weitere Highlights der Platte: Ishman Bracey mit zwei Songs, Robert Petway mit einer Variante des sehr bekannten Catfish Bues und ein junger Robert Lockwood mit Take A Little Walk With Me (eine Variation von Sweet Home Chicago).

 

Und wir sagen es immer wieder: The Blues comes from Mississippi!


Rocks in my Pillows

Robert Nighthaw 1951-52

 

Yes, that is it! Endlich gibt es diese wunderbaren Aufnahmen wieder auf Vinyl. Robert Nighthaw war ja sehr oft Sideman bei anderen Aufnahmen (hauptsächlich für das Chicagoer Labels Chess), hier ist er aber der Boss. Die Aufnahmen wurden für das kleine United Label (nicht zu verwechseln mit dem großen United Label) gemacht. Zweimal ging Nighthawk in das Studio: im Juli 1951 und im Oktober 1952. Dann nahm er nichts mehr bis 1964 auf. Grund war die erstaunliche Erfolglosigkeit seiner aus den Sessions resultierenden Singles. Whaaaaat? Gibt's nicht, kann nicht sein, befindet das Bluesbuero. Denn die Nummern sind wirklich klasse gelungen, der Sound ist nicht nur für die Entstehungszeit fantastisch. Besonders die Slowbluese liegen dem Herrn Nighthawk wie kaum einem anderen - seine jammernde Slideguitarre und sein dunkler Gesangsstil matchen sich perfectly. Begleitet wird Nighthawk von Ransom Knowling am Bass (der ja auch auf den frühen Hits vom Muddy spielte), Jump Jackson am Schlagwerk (was für ein Name!) und Roosevelt Sykes am Piano. Robert N. hatte 1949 seinen einzigen Hit gelandet, und zwar mit dem unsterblichen Sweet Black Angel (welches ja auch Herr King sehr gerne spielte). 1951/52 gelang das nicht mehr. Trotz Songperlen wie Take it Easy, Baby oder You missed a good man. Das Bluesbuero ist deswegen oft sehr betrübt, denn wir vermuten, dass uns Robert Nighthawk ziemlich viele klassen Bluese vorenthalten hat. Noch was: es gibt ausser Tampa Red und Kokomo Arnold keinen besseren Slidegitarristen. Keiner kann so wehklagen auf der elektrischen Guitarre wir Robert!


THE STORY BLUES OF THE BLUES

compiled by Paul Oliver, CBS 1970

 

PAUL OLIVER (1927 bis 2017) war nebst Architektur- auch ein großer Musikkritiker. Er verfasste einige maßgebliche Bücher über MusikerInnen und the Art of the Blues. Unbedingt empfehlenswert: seine Monographie über BESSIE SMITH und das Standardwerk BLUES FELL THIS MORNING.

Im Rahmen des berühmt-berüchtigten Bluesrevival, das Künstler wie Skip James, Mississippi John Hurt oder Son House aus der Versenkung hervorholte, erwachte auch das Interesse der Musikfans am alten Blues. CBS veröffentlichte in den späten 1960er Jahren die zwei sehr bekannten Robert Johnson LPs, nahm einen Johnny WInter unter Vertrag und beauftragte Herrn Oliver, eine Kompilation von Bluessongs verschiedener Epochen zusammenzustellen. Herausgekommen sind 2 Doppel LPs mit dem Namen "The Story of the Blues".  Jede Seite der LPs trägt einen Namen eines Stils oder einer Epoche: "World War II and after" oder "The Origines Of The Blues". Zu hören sind alte Aufnahmen in guter bis sehr guter Audioqualität der Jahre 1923 bis 1968. Alles was Rang und Namen in der Blueshistorie hat, ist vertreten: von Bessie Smith über Robert Johnson reicht das reichhaltige Musikprogramm bis zu Magic Sam.  Auch Obskures wie Butterbeans and Susie oder Casey Bill ist zu entdecken! Zu haben sind die LPs um wenig Geld auf discogs.com - ein Muss für Early Adopters und Einsteiger in die Materie!


CRAWFISH FIESTA

Professor Longhair, Alligator Records 1980

 

Tipitina oder Mardi Gras in New Orleans das sind wohl die Nummern, die einem einfallen (können), wenn man den Namen Professor Longhair hört. Der Prof war natürlich kein echter (so wie die meisten Professoren halt in Österreich auch), aber eigentlich schon irgendwie... Er kreirte den Piano- und Songstil, den später der begnadete Entertainer fats Domino so bekannt machte.

 

Nachdem Herrn Longhairs Karriere ab Mitte der 1950er beinahe zum Erliegen gekommen war, schaffte es er ab Mitte der 1960er wieder auf die Bluesbühnen der Welt. Sogar Paul McCartney holte ihn aufs Schiff, wo er eine Woche lang jeden Abend sein Piano streichelte (zu hören auf Live At Queen Mary).

 

In Folge nahm er mehrere Live- und Studioplatten auf, die alle mächtig abgehen und kein Tanzbein ruhig lassen. Seine erste und letzte echte Hochglanzaufnahme fand unter der Aufsicht von Mac Rebennack statt, den man ja eher unter Dr. John kennt. Crawfish Fiesta verspricht wahrlich nicht zu viel: es ist wohl eine der gelungensten Partyplatten des Blues, New Orleans Blues in Perfektion. Für den Professor, eigentlich Henry Roland Byrd, war es die letzte Platte - er verstarb kurz nach Ende der Aufnahmen und erlebte die Veröffentlichung auch nicht mehr. Dies ist bedauerlich, denn die bei Alligato Records erschienene Platte war auch seine bestverkaufte. Das hätte Professor Longhair sicher gefreut....

Dr. John spielt auf der Platte übrigens Gitarre, denn das Piano wird vom Meister himsef bedient. Weiters werken drei Bläser, ein Congaist und natürlich die Rhythmiker mit Bass und Schlagwerk. Beginnend mit Big Chief  bis zum letzten Song Crawfish Fiesta wird ein Feuerwerk des New Orleans Blues geboten, einer besonders rhythmischen Variante der schönsten Musik von allen Musiken überhaupst. Das Bluesbuero spielt sehr gerne Red Beans, zu finden als Track 5 auf Seite 1!


FREDDIE KING 1934-1976

RSO 1977

 

Der Titel der LP sagt es schon: sie ist eine Hommage an den großen Texaner Freddie King, der nur 42 Jahre alt wurde, bevor sein Herz ausließ. Die Platte war schon länger zuvor geplant - Eric Clapton sollte eigentlich einer der Produzent dieser werden. Es kam dann doch etwas anders. So wurden einige bereits veröffentlichte Tracks mit noch damals neuen af eine recht gelungene Platte gepresst.

 

Übrig geblieben sind einige Studiotracks u.a. mit Claptons damaliger Band, zum Beispiel Sugar Sweet oder TV Mama) und einige Livetracks mit und ohne Mr. Slowhand. Schon die erste Nummer zeigt Freddie King als großen Sänger und Gitarristen, Pack It Up ist eine funky dahrekommende Tanzscheibe (ursprünglich auf Burglar zu finden).

Die Versionen von Woman Across the River, T'aint Nobody's Business If I Do und Farther on Up The Road (mit Clapton 6 Wochen vor Kings Tod in Texas live aufgenommen) sind eigentlich nicht zu toppen. Großes Kino in 33 Umdrehungen! So meinte EC: "... he taught me about everything I needed to know."


Und was taugt dem Bluesfan? Schreib uns! Timo@bluesbuero.at - für besonders gelungene Einsendungen gibt es ein Präsent des Bluesbueros!